Harfenkonzert und Cäcilienmesse

Große Begeisterung beim Harfenkonzert und einer berauschenden Cäcilienmesse

Außerplanmäßig stellte Bürgermeister Helmut Haider vor Beginn des Konzertes neue Pläne vor, die zusammen mit der Chorgemeinschaft Vilsbiburg und dem Trauterfinger Theaterverein 2010 ein Open-air-Konzert am neu gestalteten Stadtplatz vorsehen. Vilsbiburg solle ein kulturelles Zentrum der ganzen Region werden. Dies ist eine Anerkennung für die großartigen Leistungen der Chorgemeinschaft Vilsbiburg unter der Leitung von Peter Röckl. Bereits im nächsten Jahr wird mit über 200 Mitwirkenden von 4 bis 40 Jahren die Ballett-Tanzschule unter der Leitung von Jutta Kabutke den neu gestalteten Stadtplatz mit Musik und Bewegungen beleben. http://www.vilsbiburg.info/wappen4/kultur/kabutke/ballett.htm Den Zuhörern des Harfenkonzertes und der Cäcilienmesse wünschte Helmut Haider einen musikalischen Hochgenuss.

Über diesen Hochgenuss der Cäcilienmesse, die am 22. November 1855, dem Jahrestag der Hl. Cäcilia, in der Kirche St. Eustache in Paris uraufgeführt wurde, schrieb der damals ebenfalls anwesende französische Pianist, Organist, Musikwissenschaftler und Komponist Camille Saint-Saens:

"Die Aufführung der Cäcilienmesse rief eine Art Benommenheit hervor. Diese Einfachheit, diese Größe, dieses reine Licht, das sich über die Musikwelt wie eine Dämmerung breitete, setzte die Leute sehr in Erstaunen: Man fühlte, dass hier ein Genie tätig gewesen war ... glänzende Strahlen gingen von dieser Messe aus ... zunächst war man geblendet, dann berauscht und schließlich überwältigt."

153 Jahre später drückte dieses Überwältigtsein ein musikbegeisterter, alteingesessener Vilsbiburger nach der Aufführung der Cäsilienmesse mit seinen eigenen, sicher tief empfundenen Worten aus: "So etwas habe ich in Vilsbiburg noch nie gehört." Für ihn sei diese Messe das "Non plus ultra der Musik". Auch kein noch so großartiges Open Air Konzert oder auch nicht das Harfenkonzert in C-Dur von Francois Adrien Boieldieu (1775-1834), mit dem die Konzertsolistin aus Aich, Irmgard Gorzawski, zusammen mit dem einfühlsamen Landshuter Sinfonieorchester die Zuhörer und Zuschauer in eine schlichtere, aber dennoch unglaublich dichte musikalische Klangwelt entrückte.

Peter Röckl ist es bei diesem Harfenkonzert absolut gelungen, aus den Instrumentalisten zugleich auch staunende Zuhörer zu machen, die all die Farben, die Fröhlichkeit, mystische Trauer, Spannung und Bewegung, die Fülle und Schönheit der Harfenklänge weiterführten. So muss es sein, und nicht anders. Da bei einem Konzert durchaus auch die Augen mithören, wäre es schön gewesen, wenn Irmgard Gorzawski zwei Etagen höher gesessen wäre. Die Zuhörer in den hinteren Reihen hätten neben dem schönsten aller Musikinstrumente, der Harfe, auch ihre Persönlichkeit und die den Armen, Händen und Fingern scheinbar selbstverständlich angeborene Musikalität noch besser sehen und einsaugen können.

Nach der Pause großer Aufmarsch für die Cäcilienmesse: Dicht mussten sich die weit über 100 Sängerinnen und Sänger der Chorgemeinschaft Vilsbiburg und des Konzertchores Landshut zusammendrängen. Im Verhältnis zur instrumentalen Originalbesetzung, die u.a. sechs Harfen und eine Orgel verlangte, war das Sinfonieorchester Landshut sicher nicht zu üppig besetzt. Aber gerade dies erwies sich als ein Glücksfall, da der Chor niemals von den Instrumenten so überdeckt wurde, dass vom Inhalt und Text der Messe nichts mehr übrig blieb. Selbst die gefürchtete trockene Akustik der Aula der Hauptschule war bei diesem Konzert kein Hindernis, Charles Gounods wohl bekanntestes kirchenmusikalisches Werk, die 'Messe solennelle en l'honneur de Sainte-Cécile' in G-Dur, zu verinnerlichen. Nicht nur die Himmel und die Erde waren, wie es im Sanctus heißt, voll von der Herrlichkeit Gottes und auch voll von der Herrlichkeit dieser Musik, sondern an diesem Abend auch die mit über 400 Besuchern vollbesetzte profane Halle der Hauptschule.

Den Gesangssolisten hilft hier kein Nachhall, sie stehen stimmlich nackt vor ihren konzentrierten Zuhören, die aber gerade deshalb näher an deren unverfälschtem Atem sind. Die drei Gesangssolisten Sonja Philippin (Sopran), Christian Fliegner (Tenor) und Matthias Ettmayr (Bass) trugen dazu bei, dass die Aufführung nicht zu einer eitlen solistischen Selbstdarstellung wurde, auch wenn diese Messe manchmal geradezu nach einer solchen Oberfläche zu schreien scheint. Wenn die knapp fünfjährige Victoria beim Sopransolo im Benedictus sich auf den Schoß ihrer Oma Gorzawski in der ersten Reihe setzt, mit ihr zärtlich rumschmust und an den goldenen Ohrringen zupft, dann sehe ich das als das größte unbewußte Kompliment für Sonja Pilippins warme Stimme an; das gilt ebenso für Christian Fliegners klare und Matthias Ettmayers profunde musikalische Aussage.

Der Chor kann sich bei dieser Messe in seiner ganzen Bandbreite einbringen und ausleben. Überraschend beim Sanctus das dreifache vorgeschriebene Piano, das von weiter Ferne zu kommen schien, vielleicht an diesem Abend aus der vom Nebel umgebenen, etwas traurigen Stadtpfarrkirche, die sich auch nach solchen, eigentlich ihr besser zustehenden Tönen sehnt. Im Credo allerdings wird im Fortissimo einstimmig der volle Glaube an den wahren Gott und die Dreifaltigkeit von allen Sängerinnen und Sängern zusammen mit den markant gesetzten Basslinien im Orchester eindringlich eingefordert. Da kann einem schon etwas Angst werden, wenn man nicht mit voller Überzeugung katholisch ist oder wird. Doch gleich wieder schüchtern im Piano und Pianissimo die musikalische Empfindung: Ja nur wegen uns Menschen und allein um unseres Heiles willen stieg Jesus herab zu uns.

Peter Röckl hat all diese gegensätzlichen Empfindungen vom Geheimnis der zarten Geburt bis zum dem schreienden 'Cruzifixus', vom 'Herr, erbarme dich!' bis zum tänzelnden 'Lamm Gottes' dem Chor und dem Orchester eindringlich mitgeteilt und die Zuhörer dabei voll miteingeschlossen. Die musikalische Extase, das Dirigat in die entgegengesetzte Richtung nach ganz oben, beim 'Pleni sunt coeli et terra gloria tua' kommt nicht nur dem Wunsch des Dirigenten nach, alles zu erfüllen mit Musik. Leider ist aber auf dieser Welt nicht alles Musik, auch nicht nach dem leisen 'Gib Frieden, Herr!' mit dem anschließenden dreimal gehauchten 'Amen', dem 'Non plus ultra'.

So hätte ich wenigstens gerne auf die abschließende musikalische Fürbitte verzichtet. Das Gebet der Armee, ursprünglich nicht für einen König oder Staat, sondern für Napolen III. geschrieben, wurde zunächst von den Männerstimmen unisono inbrünstig geschmettert, zusätzlich von den Bläsern und dem Schlagwerk militärisch aufgemischt. Was hätte sich wohl die Patronin der Kirchenmusik, die gemarterte heilige Cäcilia, der diese großartige Messe gewidmet ist, bei dieser Fürbitte gedacht?

Im leisen Gebet oder im Harfenspiel liegt der Urgrund aller Stärke und aller Menschlichkeit. Oder stimmt das nicht, Irmgard Gorzawski?

Peter Forster

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